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Seismische Aktivität der Erde

San Sebastian, Christa Bisenius-Kluge

Was ist der Motor für das manchmal leise und manchmal gewaltige Beben und Erzittern der Erde, für Stauchungen, Brüche, Faltungen der Erdoberfläche, die alles in den Abgrund reißen können, Flüsse umleiten, von Menschen Erbautes in wenigen Sekunden zerstören?

Seit Jahrtausenden stellt sich die Menschheit im Augenblick dieses für sie unheilvollen Geschehens tief erschrocken diese Frage. Für das scheinbar Unerklärliche werden Götter, Götzen, Winde und andere Wesen verantwortlich gemacht. Erst im 18.Jhdt wird wohl erstmalig durch den Geologen und Wissenschaftler Alexander von Humboldt eine Theorie aufgestellt, die eine plausible naturwissenschaftliche Erklärung für die gewaltigen Bewegungen der Erdoberfläche liefert. Die sich u.a. hieraus entwickelnde Theorie der Plattentektonik in Verbindung mit der Erforschung der Tiefsee seit den 1960er Jahren ist seither das dauerhafte und wesentliche Erklärungsmodell der Geophysik für Erdbeben.

Die Theorie der Plattentektonik besagt,dass die äußere Kruste der Erde in sieben große Teile und viele kleine Teile zerbrochen ist, die auf dem zähplastischen heißen Kern der Erdkugel in ständiger Bewegung sind (sogenannte Unterspülungstheorie von A. v.Humboldt). Die größte Platte trägt den pazifischen Ozean, eine der kleineren die heutige Türkei. Die Grenzen der Platten entsprechen nicht den sichtbaren Kontinenten, sie sind sowohl unterseeisch als auch kontinental.

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Diese Kontinentalplatten oder Lithosphärenplatten tauchen je nach Schwere untereinander oder stoßen beständig und mehr oder weniger heftig ruckartig aneinander. An ihren Rändern, den sogenannten Feuergürteln der Erde, spucken Vulkane, tritt zähflüssiges, geschmolzenes Gestein aus und bildet neue Inseln. Gebirge und Berge wachsen durch die Verschiebung stetig. Manchmal werden menschliche Ansiedlungen völlig unerwartet durch das Beben und Zittern der Erde zerstört, unvorstellbar riesige Monsterwellen rollen bei Seebeben auf dicht besiedeltes Land und hinterlassen völlig neue Landschaften oder zerstörte Zivilisation.

Der Mensch versucht sich vor dem schwer zu prognostizierenden Naturereignis zu schützen. Durch ausgeklügelte Schnell-Warnsysteme, durch seismische Isolierungen von Gebäuden. Ein über die ganze Welt verteiltes Netz an Seismographen zeichnet jede Sekunde jede Bewegung der Erdkruste auf, um Prognosen abzuleiten für den Eintritt verheerender Naturkatastrophen, aber auch um Schlüsse zu ziehen für einen möglichen Schutz gegen die Folgen großer Beben.

Eines der letzten großen Beben der Stärke 9 hat die Weltbevölkerung den Atem 2011 anhalten lassen. Das Tohoku-Seebeben ist das stärkste Beben der Geschichte Japans und zudem Auslöser zweier weiterer Katastrophen in der Region: Die gesamte Nordostküste der Insel Honshu wurde völlig unerwartet durch einen Tsunami getroffen, er richtete nicht nur schwerste Verwüstungen in Städte an, sondern zerstörte auch das Kernkraftwerk Fukushima. Lediglich die Möglichkeit eines Tsunamis konnte man beobachten, da sich das Meer ungewöhnlich weit vom Land zurückzog, um sich in der Ferne zu einer gewaltigen Wasserrolle aufzutürmen. Die Folgen sind allen bekannt. Möglicherweise erinnert sich der eine oder andere auch an Bilder aus den Büros der entfernten Hauptstadt Tokio, in der das Beben in abgeschwächter, dennoch aber besorgniserregender Weise spürbar war: pendelnde Lampen, fliegendes Papier, rutschendes Mobiliar, flackerndes Licht, aufgeregt schreiende Menschen.

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Durch kontinuierliche Forschung nähern wir uns der ursächlichen Klärung der Erdbeben immer weiter an. Dennoch erlaubt der Stand der heutigen Wissenschaft keine zeitlichen und räumliche, verlässliche Prognosen und Beben werden auch nie, trotz aller Forschungen ihre verheerende und gefürchtete Wirkung verlieren.Sie treffen die Bevölkerung an den so genannten Hot Spots entlang der tektonischen Platten in allen Situationen des Lebens weitgehend unvorbereitet und ungemeldet. Die Tierwelt ist uns einen Schritt voraus. Immer wieder kommt es vor Naturkatastrophen zu ungewöhnlichem Tierverhalten.

Wenn wir uns nicht beruflich mit dieser Thematik befassen, denken wir kaum darüber nach, dass diese riesige Kugel, auf der wir leben, kein totes Gestein ist, sondern ein sehr lebendiges und manchmal instabiles System von schwimmenden Krusten auf einem sehr heißen Kern. Daher. Nachrichten, die scheinbar wie aus einer anderen Welt durch die Medien eilen, führen uns nach Naturkatastrophen Bilder vor Augen, die das Ausmaß der jeweiligen Zerstörung an einem fernen Ort zeigen.
Können diese kurzen Bildeindrücke in unser Bewusstsein derart eindringen, dass wir uns der ständigen Gefahr bewusst sind und unser Leben danach ausrichten? Das ständige Beben der Erde sollte uns Tag für Tag darin erinnern, dass die Menschheit ihr Leben in engster Nachbarschaft zwischen Sicherheit und Unsicherheit führt.