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Neuvermessung von Empfindungswelten und Erfahrungsräumen

seamonster_blog

Fernnähe ist eine widersprüchliche Wortbildung. Und doch benennt dieser Begriff etwas, was uns als Teil unserer alltäglichen Empfindungswelt vertraut ist. In Fern-Nah-Beziehungen gleichzeitig zu leben, prägt – wohl viel stärker als uns das noch bewusst ist – das moderne Lebensgefühl unserer Zeit. Das Verschwinden der Ferne (Vilem Flusser)durchzieht wie ein Rhizom, wie ein allgegenwärtiges Netzwerk roter Fäden unsere Wahrnehmung und Wirklichkeit. Welche Raum-Zeit-Maßstäblichkeit ist zur Beschreibung dieser Raumwirklichkeiten in Ansatz zu bringen? 

 

Durch die Medien vorangetrieben wird unsere Erfahrungswirklichkeit immer selbstverständlicher mit Fernnah- und Nahfern-Erlebnissen durchsetzt. Erfahrungen, in denen uns weit Entferntes nah ist oder wo Nahes weit entfernt erscheint, sind uns geläufig. Vielleicht auch schon Gewohnheit geworden. Wenn die Ferne verschwindet, dann wird auch die Vermessung von Entfernungen schwierig. Fernnähe als Beschreibung, als Gestaltungsaufgabe oder Gestaltungsparameter regt darum zu einer Neuvermessung heutiger und zukünftiger Erfahrungsräume an. Und das führt zu weiteren Fragen: Hat – insbesondere – der ästhetisch-kreative Umgang mit Fernnah-Erfahrungen das Potenzial für die Entfaltung neuer, zeitgemässer Raumvorstellungen? Sind Raumbildungen möglich, in denen sich fernnahe Lebenswelten bewusster als bisher widerspiegeln? Fernnähe als Projekt und Projektion verbindet sich für mich letztlich mit einer weit – vielleicht zu weit – gefassten Frage: Ist eine moderne Lebensführung im Bewusstsein allgegenwärtiger Fernnähe mit Mitteln der Gestaltung, die ja immer auch Lebensentwurf ist (oder doch sein könnte), in einer guten Weise möglich ist?

Flusser, Vilem, Das Verschwinden der Ferne. In: ARCH+ 111