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Interview // Seismo Light: Der Puls der Erde

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Die Resonanz auf den interdisziplinären FERCHAU-Kunstwettbewerb „Art of Engineering 2014“ war enorm: Aus weit über hundert Einreichungen hat eine hochkarätige Jury drei Finalisten gewählt. Diplom-Designerin Annalena Kluge zählt zu den Auserwählten. Ihr Werk „Seismo Light“ hat die Jury begeistert und zugleich auch berührt. Im Interview hat uns die 27-Jährige Einblicke in ihre Arbeit gewährt.

Das Thema des diesjährigen Wettbewerbs lautet „Liquid Space“. Wie spiegelt sich das in Ihrem Werk wider?

Annalena Kluge: Seismo Light kann als Gebrauchsgegenstand, Medien- und Kunstobjekt begriffen werden, welches in seiner alltäglichen Präsenz Raumkonzepte unserer Zeit mit einer bedeutungsvollen Botschaft verbindet und sich dazu auf allen Ebenen seiner Entwicklung und Rezeption innovativer Technologien bedient. Konkret wird damit das weltweit verteilte, permanente Beben der Erde auf das pulsierende Punktlicht eines plastisch figurierten LED-Rasters lokal verdichtet. Dieses aus den weltweiten Netzen aktivierte, digitale Licht ist eingebettet in eine generativ entwickelte, ebenfalls fließende Form, die ihrerseits unter Einsatz von 2D-Metaball-Software aus den Magnituden seismischer Zentren, in diesem Falle unseres europäischen Heimatkontinents, abgeleitet wurde.

Woher rührt Ihr Interesse für Erdbeben und Seismologie? Oder war das nur Mittel zum Zweck?

Kluge: Im Rahmen meiner Diplomarbeit war ich auf der Suche nach aktiven Datenflüssen und bin dabei auf die seismischen Datenströme gestoßen. Welche Faszination diese unvorhersehbare Urkraft in sich trägt, war mir anfänglich gar nicht bewusst. Heute denke ich darüber anders. Während ich noch vor meiner Arbeit ein Erdbeben immer auch mit einer Katastrophe gleichgesetzt habe, spreche ich heute von dem Puls der Erde, von seismischer Aktivität, die nicht automatisch mit einer Katastrophe gleichzusetzen ist. Die Erde bebt mehr als 100 Mal am Tag – im Verhältnis zu diesen beeindruckenden Zahlen lesen wir glücklicherweise selten von einer Erdbeben-Katastrophe. Nach Fertigstellung meiner Arbeit kann ich heute sagen, dass die seismischen Datenströme nicht nur Mittel zum Zweck sind, sondern dass Sie der Ursprung sind, dass es darum geht, auf diese aufmerksam zu machen, den Betrachter letztlich dafür zu sensibilisieren.

Was möchten Sie durch Ihre Kunst allgemein zum Ausdruck bringen?

Kluge: Ich bin Designerin und sehe mich auch, wenn ich Projekte realisiere, die sich im Spannungsfeld zwischen Kunst und Design bewegen, eher als Gestalterin – nicht unbedingt als Künstlerin. Damit möchte ich aber nicht ausschließen, dass man mich als Künstlerin wahrnehmen kann. Meine Arbeiten sind in ihrer Ausarbeitung immer stark durch die Gestaltung geprägt. Inhaltlich werden aber durchaus – so wie z. B. bei Seismo Light – auch künstlerische Züge erkennbar.

Gibt es ein verbindendes Element, das alle Ihre Werke und Installationen prägt?

Kluge: Dreh- und Angelpunkt ist die Produktgestaltung. Das ist für mich in erster Linie prozessorientiertes, konzeptionelles und experimentelles Arbeiten. Neben den ästhetischen Aspekten der Gestaltung ist mir mehr und mehr auch die rationale und analytische Durchdringung des Ganzen wichtig. So stehen Prozess-und Produktgestaltung in meinen Arbeiten immer wieder untereinander in Wechselwirkung, mit unterschiedlicher Relevanz und Ausprägung. Eine treibende Rolle spielen hierbei für mich letztlich auch die neuen digitalen Technologien und generative Designverfahren, welche in meinen Augen die gesamte Prozesskette vom Entwurf bis hin zum Vertrieb immer stärker durchdringen werden.

Was hat Sie dazu veranlasst, sich beim „Art of Engineering“ anzumelden?

Kluge: Ein wichtiger Punkt war ganz klar das Thema des Wettbewerbs. Das Thema „Liquid Space“ und die Möglichkeit, es mit einer eigenen Interpretation zu beleben und damit eine mögliche Definition zu prägen, hat mich fasziniert. Ebenso spannend war für mich der interdisziplinäre Rahmen, in dem sich der Wettbewerb bewegt. Ich rechne es dem Unternehmen FERCHAU hoch an, dass es sich in dieser Weise den verschiedenen Disziplinen öffnet und damit erkennbar macht, dass sich zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen fließende Übergänge befinden. Und Hand aufs Herz: das Preisgeld war natürlich auch verlockend.

Würden Sie den Wettbewerb weiter empfehlen?

Kluge: Ja, auf jeden Fall. Die Teilnahme am Wettbewerb war eine bereichernde Erfahrung. Der Wettbewerb ist super organisiert und es hat Spaß gemacht, in den direkten Austausch mit den anderen Finalisten zu treten. Nicht zuletzt spricht auch die offene Struktur des Wettbewerbs für ihn, bietet er doch Teilnehmern unterschiedlicher Disziplinen eine Plattform, sich auszutauschen und gegenseitig inspirieren zu lassen.

Quelle: Ferchau

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