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Fernnähe als Gestaltungsaufgabe in komplexen Räumen

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Fernnähe als Gestaltungsaufgabe ist –zum Beispiel – als die Herstellung von Nähe über beliebig grosse Entfernungen aber auch als die Überwindung von Fremdheit, die auf die Anbahnung neuer Nachbarschaften hinauslaufen könnte. Es gilt herauszufinden, wann, wie und wo wir mit Fernnähe konfrontiert sind, wie wir sie erleben und durchleben oder uns erlebbar machen können. Beispiel ist ein Skype-Gespräch, in dem Distanzen entschwinden, verschwimmen oder überwunden werden. In der von Skype initiierten Family Portrait Aktion lichten sich Familien mit Angehörigen in weiter Ferne ab und fügen so das Getrennte wieder zusammen, sie schaffen einen real-imaginären Raum, den ich als komplexen Raum bezeichne.

Skype ist nur ein Beispiel für die zunehmende mediale, digitale und virtuelle Durchdringung unserer Wirklichkeiten, durch die unsere Lebensräume, unter Einschluss aber auch jenseits des geläufigen Behälterraums eine neue Komplexität erreichen. Die Frage der Distanzbeziehungen und Reichweiten, die Frage nach Nähe und Ferne, die Frage nach Nachbarschaft, nach Raumentwicklung und Raumbildung sind neu zu stellen. Mit Fernnähe wird auch ein Lebensgefühl benannt, welches heute unser Alltagsleben viel nachhaltiger prägt, als uns dieses wohl bewusst ist.

Ich gehe von der Annahme aus, dass Raumentwicklungen und –bildungen räumlich (auch architekturräumlich) und zeitlich vorgeprägt sind, dass sie aus Bewegungen, Handlungen und Interaktionen erwachsen. Hierbei verfolge ich den Ansatz, Räumlichkeit aus der Entgrenzung der ersten, zweiten und dritten Haut des Menschen (Netzhaut/ Epidermis, Kleidung+ Bedeckung, Zelt+Haus) als Hüllen und Hüllformen 1., 2. und 3. Ordnung zu entfalten. Der Pavillon Echolot (FH Koblenz/ Prof. Dr. Holzbach / Buga 2011) kann als ein Beispiel für die Herstellung von Nähe als Überwindung von Fremdheit fungieren, indem er auf eine heimische Fledermausart aufmerksam macht. Echolot visualisiert in seiner Hüllform die für den Menschen nicht wahrnehmbaren Laute der Fledermaus und schafft auf diese Weise eine Art neuer Nachbarschaft zwischen Mensch und Tier.

Ziel meiner gestalterisch-künstlerischen Arbeit ist es, Phänomene der Fernnähe als Gestaltungsparameter (oder als Gestaltungsziel) für einen komplexen Raum selbst oder dessen Erlebbarkeit zu verwenden. Hierbei spielen die drei genannten Grössen- und Bezugsordnungen, rekurrierend auf die Vorstellung der ersten, zweiten und dritten Haut eine wesentliche Rolle. In welche Richtung sich der dreidimensionale Entwurf entwickeln wird, ist jedoch erst nach der Recherchephase eindeutig zu sagen. Vorstellbar wären zum Beispiel sensitive Häute, die uns fremde Dinge spüren lassen oder aber auch die Verformung/Durchdringung des öffentliches Raumes, welche uns Menschen unsere Umwelt wieder näher bringt.